![]()
Alle großen Suchmaschinen bieten Webmastern die Möglichkeit, sich in den Webmaster-Tools über die Indizierung der eigenen Webseite und andere Metriken zu informieren. Zudem kann über die Webmaster-Tools auch Einfluss auf den Crawling- und Indizierungsprozess genommen und bestimmt werden, wie beispielsweise URL-Parameter seitens der Suchmaschine zu handhaben sind. Da Google in Deutschland mit weitem Abstand die am häufigsten genutzte Suchmaschine ist, nutze ich die Google-Webmaster-Tools als Beispiel und zur Veranschaulichung.
Natürlich reicht es aus SEO-Sicht nicht, seine Webseite(n) oder die betriebenen Onlineshops den Webmaster-Tools hinzuzufügen, sich interessiert durch das Menü zu klicken und sich dann wieder anderen Aufgaben des Tagesgeschäfts zuzuwenden. Webmaster und SEOs können und sollten in den Tools relevante Einstellungen vornehmen und sich regelmäßig die dort bereitgestellten Informationen ansehen, diese verstehen und u.U. darauf basierend Maßnahmen ergreifen. Schließlich handelt es sich dabei um Infos und reale Werte aus erster Hand.
Die wichtigsten Konfigurationen und Einstellungen
Die Einstellungen, die am schnellsten und einfachsten vorgenommen werden können, finden sich im Reiter „Allgemeine Einstellungen“ unter dem Menüpunkt „Website-Konfiguration > Einstellungen“. Hier sollte (a) ein geographisches Ziel definiert werden und (b) die bevorzugte Domain (mit „www“ oder ohne) festgelegt werden. Während letzteres nur optische Auswirkungen bei der Anzeige einer Seite der Domain in den Suchergebnissen hat, kann die Definition eines geographischen Ziels gerade dann wichtig sein, wenn mehrere Länderdomains betrieben werden, auf denen sich identische oder übersetzte Inhalte befinden. Einmal festgelegt, weiß Google, welche Domain zu welchem Land gehört und kann diese Domain entsprechend in den Suchergebnissen ausgeben.

Gerade wenn es sich bei einer angemeldeten Webseite um eine Seite mit mehreren tausend, hunderttausend oder mehr Seiten handelt, sollte im Menüpunkt „XML-Sitemaps“ eine auf dem Server bereitgestellte Sitemap eingereicht werden. Damit können sämtliche URLs – auch die auf tieferen Ebenen, zu denen sonst kein Crawler vordringen würde – strukturiert an die Suchmaschine übermittelt werden, was das Crawlen der einzelnen Seiten beschleunigen kann und so auch zu einer schnelleren Indizierung führt. Grundsätzlich schadet das Bereitstellen einer Sitemap im XML-Format keinesfalls. Darum sollten Webmaster und SEOs diese Option nutzen, um Google und andere Suchmaschinen über Struktur und Anzahl der Seiten einer Webpräsenz zu informieren. Das einmalige Einreichen der exakten URL, auf der die Sitemap gefunden werden kann (z.B. http://www.kawumba.de/sitemap.xml), reicht dabei völlig aus. Aktualisierte Sitemaps werden unter gleichem Dateinamen auf den Server geladen und fertig.
→ Ein Tool zum Erstellen einer XML-Sitemap findet sich auf auditmypc.com
Für SEOs ebenfalls sehr interessant und wichtig – der Menüpunkt „Crawler-Zugriff“. In diesem Untermenü lassen sich folgende Aktionen ausführen:
- robots.txt testen (relevant, wenn bereits eine robots.txt auf dem Server existiert
- robots.txt erstellen (relevant, wenn noch keine robots.txt verwendet wird, die Indizierung bestimmter Bereiche jedoch gezielt verhindert werden soll)
- URL(s) entfernen (relevant, wenn einzelne URLs aus dem Google-Index entfernt werden sollen; Achtung: bei mehr als zehn oder 20 Seiten nimmt der manuelle Aufwand schnell überhand!)
Die Bereitstellung einer robots.txt ist nur dann erforderlich, wenn bestimmte Seiten, Verzeichnisse oder Dateien von bestimmten Suchmaschinen-Robots nicht besucht werden sollen, um so eine Indizierung derselben zu vermeiden. Das Aussperren verschiedener Crawler kann aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll sein. Bei der Suchmaschinenoptimierung wird die robots.txt häufig dazu verwendet, um die Indizierung gleicher Inhalte auf unterschiedlichen URLs und damit doppelten Content zu vermeiden.
→ Ein Tool zum Erstellen einer robots.txt findet sich direkt in den Google-Webmaster-Tools, aber auch jeder einfache Texteditor kann zum Erstellen einer robots.txt verwendet werden. Mit dem von Google bereitgestellten Tool können neben Zugriffsanweisungen für die Googlebots natürlich auch alle anderen Suchroboter berücksichtigt werden.
→ Wer mehr über den Aufbau und die Funktionsweise einer robots.txt erfahren will, der sollte einen Blick auf den Beitrag What is Robots.txt? auf SEOmoz.org werfen.
Eine weitere Möglichkeit, doppelten Content zu vermeiden und Google das Crawlen der Webseiten zu erleichtern, finden Webmaster und SEOs unter dem Reiter „Parameterbehandlung“ unter dem Menüpunkt „Website-Konfiguration > Einstellungen“. Hier kann für insgesamt 15 Parameter festgelegt werden, wie Google mit einzelnen URL-Parametern (z.B. Session-IDs, Sortier- und Kampagnenparameter) umgehen soll, wenn beim Crawlen der Seite Parameter gefunden werden. Zu wählen ist zwischen den Aktionen: „Ignorieren“, „Nicht ignorieren“, „Google soll entscheiden“ und „Bestimmten Wert verwenden“. Mit letzterem kann beispielsweise festgelegt werden, welche Sortierung indiziert werden soll. Für Parameter und Aktionen macht Google Vorschläge, es können aber auch aktiv neue Parameter, von denen man weiß, dass sie auf der eigenen Seite verwendet werden, angegeben und eine Aktion definiert werden. Zu beachten ist, dass diese „Anweisungen“ lediglich für Google gelten und diese lediglich als Vorschläge behandelt werden.
Die wichtigsten Informationen
Das erste, was einen Account-Inhaber nach dem Login in die Webmaster-Tools erwartet, ist die Startseite mit allen über diesen Account verwalteten Webseiten. Die wichtigste Info ist in dieser Ansicht ganz oben unter „Alle Nachrichten“ zu finden. Neben Nachrichten zu durchgeführten Konfigurationen (z.B. „geographisches Ziel festgelegt“ oder „bevorzugte Domain geändert“) werden hier auch Nachrichten angezeigt, die beispielsweise auf einen möglichen Ausfall einer Seite oder Crawlingfehler hinweisen. Häufig sind dem SEO die Probleme bereits bekannt, doch ein Blick auf diese Nachrichten ist trotzdessen immer empfehlenswert.
Ihre Seite im Web
Die einzelnen Rubriken unter dem Menüpunkt „Ihre Seite im Web“ beantworten in erster Linie die folgenden – für jeden Webmaster und SEO überaus relevanten – Fragen:
- Für welche Suchanfragen wurden welche Unterseiten meiner Webseite in den Suchergebnissen angezeigt und wie häufig wurde auf diese geklickt?
- Welche meiner Unterseiten wurde am häufigsten in den Suchergebnissen angezeigt und wie häufig wurde auf diese geklickt?
- Wie hoch ist die Click-Through-Rate bei bestimmten Suchbegriffen und welche Position konnte meine Webseite bzw. Unterseiten im Berichtszeitraum durchschnittlich für einen bestimmten Suchbegriff erreichen?
- Wie stark haben sich die Werte (Impressions, Clicks, Avg. Position, CTR) im Berichtszeitraum verändert?
- Welche externen Seiten linken mit welchem Linktext auf welche Unterseiten meiner Webseite?
- Welche meiner Unterseiten sind am häufigsten von extern verlinkt?
- Für welche Keywords hält Google meine Webseite für relevant?
- Welche Unterseite meiner Webseite ist wie häufig und von wo intern verlinkt?
Gerade wenn es um externe Daten, wie die Anzahl der externen Links geht, darf bezweifelt werden, dass die in den Webmaster-Tools verfügbaren Daten vollständig sind. Doch diese Daten aus erster Hand sollte man bei sämtlichen Analyse- und Monitoring-Prozessen keinesfalls außer Acht lassen.
Diagnose
Unter dem Menüpunkt „Diagnose“ in den Webmaster-Tools sind aus SEO-Sicht vor allem die Sub-Menüs „Crawling-Fehler“, „Crawling-Statistiken“ sowie die „HTML-Vorschläge“ relevant.
Unter „HTML-Vorschläge“ weist Google auf doppelte, (zu) lange, (zu) kurze Meta-Beschreibungen und Title-Tags hin. Außerdem werden irrelevante Title-Tags und nicht indizierbare Seiten gelistet. Aber was bringt das für die SEO?
→ Duplicate Content-Probleme sowie nicht optimierte Seiten können relativ schnell identifiziert werden. Eventuell treten die Fehler in einem Muster oder wiederholt auf und man kann sofort schlussfolgern, was getan werden muss, um das Problem dauerhaft zu beheben.
→ Die Angaben zu den Seitentiteln und Beschreibungen sind neben der Identifizierung von doppelt ausgegebenen Inhalten vor allem bei der Snippet-Optimierung (werden nicht „abgeschnitten“, sind nicht zu kurz, enthalten relevante & ausreichend Keywords) relevant.
Die „Crawling-Statistiken“ sind insbesondere für Webmaster größerer Webseiten und Portale mit mehreren Millionen Seiten eine relevante Informationsquelle. Wenn SEOs solche Seiten betreuen oder analysieren, sollten diese die Auswertung dieser Daten ebenfalls nicht vernachlässigen. Interessant werden die Statistiken zu den gecrawlten Seiten pro Tag, den heruntergeladenen Kilobyte pro Tag sowie der Dauer des Herunterladens einer Seite gerade dann, wenn die Performance der Seite nachlässt – sprich der Traffic über die organische Suche zurückgeht. Wenn zusätzlich bekannt ist, dass größere Änderungen (z.B. ein Relaunch) stattgefunden haben, kann und sollten diese Daten vom SEO untersucht bzw. beobachtet werden. Wenn beispielsweise die Ladegeschwindigkeit einer Seite deutlich zunimmt, dann wird sich das recht schnell auf die beiden anderen Metriken auswirken. Eine geringere Indizierung, weniger/schlechtere Rankings, weniger Traffic, weniger Besucher(r) und damit weniger Conversions wären die Folge.
Im Bereich „Crawling-Fehler“ listet Google Seiten, bei denen ein http-Fehler aufgetreten ist, die unerreichbar sind oder die nicht gefunden wurden. Darüber hinaus werden durch die robots.txt gesperrte Seiten und Seiten mit einer Zeitüberschreitung aufgelistet. Sämtliche Hinweise auf Fehler helfen dem Webmaster/SEO dabei, tote Seiten und Verlinkungen auf solche Seiten zu finden sowie fehlerhafte Einträge in der robots.txt zu identifizieren. Außerdem können Soft-404-Fehler erkannt werden, bei denen der Server beim Aufruf einer nicht (oder nicht mehr) vorhandenen URL/Seite kein 404-Status-Code zurückgibt, sondern eine Weiterleitung (z.B. auf die Startseite) stattfindet und der Status-Code-200 (alles OK) zurückgegeben wird.
Alles in allem gibt es in den Google-Webmaster-Tools nur wenig bis nichts, was aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung irrelevant oder gar überflüssig ist. Wenn ich einen Menüpunkt ausklammern müsste, dann wären das wohl die Abonnentenstatistiken, die sich ohnehin nur auf die Abonnenten beziehen, die den Website-Feed über ein Google-Produkt beziehen. Auch die seit Ende Juni verfügbaren Informationen („Auswirkungen auf die Suche“, „Aktivität“ und „Zielgruppe“) zum +1-Button sind zum jetzigen noch nicht besonders SEO-relevant. Das kann sich allerdings mit steigender Verbreitung des Buttons und damit erhöhter Nutzung durch die Masse der Suchenden schnell ändern, weshalb ich die dort bereitgestellten Daten kontinuierlich im Auge behalten würde.
Welche Infos und Konfigurationen sind für Euch die wichtigsten? Gibt es welche, von denen Ihr meint, dass sie im Bereich SEO weniger relevant sind?
——————————————————
Über den Autor:
Gerrit van Look beschäftigt sich als SEO-Spezialist mit der On- und Offpage-Optimierung von Online-Shops sowie mit den technischen Aspekten bei der Suchmaschinenoptimierung.
Letzte Kommentare