Jul 05

Foto: thanks to originalgoast/flickrAchtung: Alle, die sich vorzugsweise unmotorisiert und mit eigener Muskelkraft fortbewegen, werden an diesem Text wenig Spaß haben. Alle anderen, die dazu noch etwas zum Thema Web Analyse erfahren wollen, dürfen beruhigt weiterlesen.

Die großen amerikanischen Anbieter werden gerne auch als die „Ferraris“ oder „Rolls Royces“ unter den Analytics Systemen bezeichnet, andere schnell der Golf-Klasse zugeordnet, wieder andere sind – analog zum einen oder anderen Designer-Modell, visuell zwar schön funky, aber nicht wirklich alltagstauglich.

Als Agentur wird man oft gefragt, welches eigentlich das „Beste“ unter den Tools ist. Zöge man die alljährlichen Rankings zu Rate, so wäre die Antwort, dass es auf jeden Fall eines der großen amerikanischen Flagschiffe im Web Analytics sein sollte. Den erfahrenen Web Analytics Consultant überkäme bei solch einer Vorgehensweise  – völlig zu Recht! – ein gewisses Schaudern. Denn, um in der Analogie zu bleiben – ist denn ein Formel 1 Wagen oder ein Maybach wirklich „das beste“ Auto? Oder doch ein Golf – weil ausgereift, am meisten verkauft, alltagstauglich?

Schnell wird die die Herangehensweise dann korrigiert. Man spricht dann vom besten Preis-Leistungs-Verhältnis und landet schnell bei den halbwegs umfangreichen kostenlosen Tools, allen voran Google Analytics. Ein Tool mit einigen Vorteilen, sicherlich.

So wenig wir bei der Auto-Frage eine klare Antwort bekommen, was eigentlich „das Beste“ ist, so wenig gelingt es auch im Web Analytics Bereich. Denn was beim Autokauf an erster Stelle steht, gilt auch fürs Web Controlling: der individuelle Bedarf des Kunden.

Zunächst stellt sich die Frage: welcher Bedarf soll damit eigentlich gedeckt werden? Ein Web Analytics Tool um des Tools Willen hat noch niemanden zu mehr Erkenntnissen über sein E-Commerce-Business verholfen und verkommt im schlimmsten Fall zum teuren, unpraktischen Spielzeug (Sie sehen, die Auto-Analogie hat was). Eine zwar schwierige, doch notwendige Frage, die der Consultant stellen sollte: Wie ist es denn um das Web Analytics-Know-How der potenziellen User bestellt? Einem Führerschein-Anfänger gibt man auch keinen Lamborghini Gallardo zum Üben…

Wenn ein Tool nicht über die vorkonfigurierten Standard-Reports hinaus genutzt wird, dann häufig deshalb, weil sich die User nicht trauen damit umzugehen. Oder schlichtweg: weil sie das System nicht verstehen. Denken wir an den Ferrari, der nur im 1. und 2. Gang in der Stadt gefahren wird, und uns Auto-Liebhabern blutet das Herz.

Manch amerikanisches System scheint designed zu sein für Vollzeit-Web Analysten, die 12 Semester Web Analyse studiert haben. Diese Pendants zum Formel 1 Boliden sind für wenig geübte Fahrer nicht Straßen-untauglich, sondern im höchsten Maße ungeeignet. Wer dann so ein System ab und zu mit einer bestimmten Fragestellung nutzen möchte, stößt schnell an seine Geduldsgrenzen.

Wie im Autokauf, so sollte auch bei der Entscheidung für ein spezifisches Web Analytics System genau analysiert werden, mit welchen Fragestellungen und welchen Skills welche Usergruppen das System eigentlich künftig bedienen wollen. Dann macht die Nutzung des Neuerwerbs auch mehr Spaß!

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Über den Autor:
Birgit HaugBirgit Haug ist Diplom-Kommunikationswissenschaftlerin und Spezialistin im Bereich Online-Marketing. Seit 2005 arbeitet sie im Bereich Suchmaschinen-Marketing und -Optimierung, bis 2008 bei der Hurra Communications GmbH, Stuttgart und anschließend als director online-marketing bei der dmc digital media center GmbH, Stuttgart.

3 Antworten zu “Was Web Analytics Tools und Autos gemeinsam haben”

  1. Web Analytics Europa sagt:

    Gelungene Metapher!

    Und um im Bild zu bleiben:
    Schwierig ist es, wenn der Auto-Verkäufer (also die Agenturen) die Vorzüge der Wagen nicht verstehen. Es soll ja sogar welche geben, die nur auf die größte Provision schielen und daher kurzfristig statt langfristig beraten.

    Wenn der Wagen übrigens mal in die Werkstatt muss (Consultants odr Trainings benötigt werden), zeigt sich schnell, ob die Fassade des Autohauses wichtiger ist als die Innenausstattung inkl. Hebebühne und Werkstattmeister.

    Wir wissen ja, warum Autos gekauft werden: Service, Qualität und Verbrauch. Das sind jedenfalls die offiziellen Behauptungen. Aber warum sehe ich dann so viele SUVs und Sportwagen?

    Gruß,
    Web Analytics Europa
    http://www.web-analytics-blog.de

  2. Birgit Haug sagt:

    Danke für das Feedback, freut uns!

    Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist sowohl im Autohandel, als auch in der Agenturenwelt immer eine Herausforderung für den Kunden – und sicherlich einen neuen Blog-Beitrag wert ;)

    Wenn Sie mich fragen, warum so viele SUVs und Sportwagen unterwegs sind, zitiere ich gerne einen altbekannten Werbe-Spruch: Aus Freude am Fahren. Emotion muss genauso getroffen werden wie Funktion.
    Da schließt sich der Kreis zu den Web Analytics Systemen wieder: stellt sich die Frage, warum es die Anbieter immer noch viel zu wenig schaffen , Joy of Use mit Funktionalität zu verbinden? Damit hätten die User auch mehr Freude spannende Web Analytics Fragen zu stellen -und zu lösen!

    viele Grüße
    Birgit Haug

  3. 7 Guidelines zur erfolgreichen App-Gestaltung, A/B-Tests kombiniert mit Usability-Testing und die Suche nach dem richtigen Web Analytics-Tool – Linktipps von Martin Beschnitt | usabilityblog sagt:

    [...] vor kurzem der gleichnamige Blog der DMC aus Stuttgart online. Der erste Artikel von Birgit Haug „Was Web Analytics Tools und Autos gemeinsam haben“ startet mit einer gelungenen Metapher hinsichtlich der Auswahl des geeigneten Web Analytic Tools. [...]

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