Ich google, also bin ich. Viele setzen die Grenzen der Welt mit den Grenzen der Google-Suchergebnisse gleich. Dass mit der Personalisierten Suche eine ganz individuelle Gewichtung der Suchergebnisse erfolgt, wird bei der Bewertung der Ergebnisse vernachlässigt. Im schlechtesten Fall kreist der Suchende nur noch um sich selbst.
Wir suchen, was wir wissen
Seit einigen Monaten sind die Suchmaschinenbetreiber immer stärker darauf bedacht, die Auswertung der individuellen Suchhistorie für zukünftige Anfragen heranzuziehen. Hierbei lernt die Suchmaschine mit jedem eingegebenen Suchwort. Aus der Suchhistorie des Nutzers werden die Interessen abgeleitet und für die Gewichtung der Suchergebnisse verwendet.
Dass dieses Vorgehen nicht ohne Kritik bleibt ist einleuchtend. Besonders streng geht Eli Pariser mit dem Bestreben des Suchmaschinen-Dienstes Google um. Er kritisiert, dass Nutzer immer nur die Suchergebnisse präsentiert bekommen, die ohnehin ihrer gedanklichen Richtung entsprechen und damit den Benutzer nur noch um die Themen kreisen lassen, die er ohnehin als relevant einstuft. Wir befinden uns damit in einem Schneeballsystem. Doch wo bleiben dann die neuen Impulse? Besonders problematisch ist, dass dies den meisten Benutzern der Suchmaschinen nicht einmal bewusst ist.
Wert des Ergebnisses – objektiv vs. subjektiv
Gehen wir das Thema einmal theoretisch an. Bei der Bewertung der Suchergebnisse gibt es zweierlei Maßstäbe. Da wär auf der einen Seite der Wert der Relevanz. Dieser ist rein objektiv für jeden Benutzer gleich. Wenn ich in der Suchmaschine nach „damenmode“ suche, sind folglich alle Ergebnisse relevant, die mit diesem Thema in Verbindung stehen. Die thematische Nähe der jeweiligen Webseiten ermittelt die Suchmaschine nach der Keyword-Dichte und ähnlichen Kriterien.
Dem Wert der Relevanz ist der Wert der Pertinenz gegenüberzustellen. Er bezieht sich auf die subjektive Bewertung der Suchergebnisse. Schauen wir uns dazu das Beispiel „damenmode“ an. Ein Begriff, der sehr generisch ist und damit einen weiten interpretatorischen Spielraum lässt. Der Benutzer könnte nach einer Auswahl an kaufbaren Artikeln, nach den Trends der Saison oder nach einer Definition des Begriffs suchen. Die Entscheidung, welche Suchrichtung eingeschlagen wird, trifft Google mittels der Suchhistorie. Hier wird klar, dass selbst dann die Treffsicherheit nicht gewährleistet ist. Hat der Suchende bisher vorwiegend in einem wissenschaftlichen Kontext gesucht, werden ihm mit Sicherheit Definitionen und ähnliche enzyklopädische Artikel in den SERPs präsentiert.
Ein echter Mehrwert?
An diesem Punkt stellt sich die Frage, ob die personalisierte Suche einen echten Mehrwert bietet. Schließlich kann der Suchende den pertinenten Wert seiner Suchergebnisse einfach mithilfe einer Suchwort-Kette – also einem Long-Tail – verbessern. Sollte er nach kaufbaren Artikeln eines Modeversenders suchen, gibt er die Begriffskombination „damenmode online bestellen“ oder ähnliches in die Suchmaschine ein. Der Benutzer wird ohnehin so viele Begriffskombinationen eingeben, bis er ein für sich selbst zufriedenstellendes Ergebnis gefunden hat.
Google dient sich selbst
Die personalisierte Suche wird daher kein Feature sein, das in erster Linie den Mehrwert für den Nutzer im Blick hat. Wir sollten uns immer vor Augen führen, dass auch Google eigene Ziele verfolgt. Google will Klicks über die AdWords-Anzeigen generieren. Längst ist klar, dass Google daher darum bemüht ist, den AdWords-Kunden die gewünschte Zielgruppe zuzuführen. Mit der Personalisierten Suche werden dem Benutzer also Suchergebnisse als auch Ad-Words-Anzeigen präsentiert, die er aufgrund seiner Suchhistorie für relevanter halten wird.
Für die Suchmaschinenoptimierung gibt es momentan keinen Grund zur Aufregung. Bisher beeinflusst die Personalisierte Suche nur die Gewichtung innerhalb der ersten beiden Suchergebnisseiten. Wer hier platziert ist, muss sich ohnehin wenige Sorgen um seinen Traffic machen. Ob sich die Ermittlung der SERPs aufgrund der Personalisierten Suche grundlegend ändern wird, bleibt also abzuwarten.
Lesen Sie: Sie weiß, was du willst – Personalisierte Suche – Teil 1 vom 11.07.2011
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