Oktober 1998 – Der heute bekannteste Internethändler der Welt öffnet seine Pforten. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm noch nicht klar, dass er im Jahr 2010 einen Umsatz von 34,20 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 1,15 Milliarden US-Dollar verzeichnen wird. Die Entwicklung des Webkaufhauses ist auch jetzt noch gigantisch – im Vergleich zum Jahr 2009 konnte Amazon seinen Umsatz in 2010 um 40 Prozent steigern. Auch andere Kaufhäuser im WWW erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Nicht zuletzt entdecken auch etablierte Offline-Händler die Online-Shopping-Welt für sich und legen in diesen Zeiten ein Thema in aller Munde: Multichannel-Abverkauf.
Doch woher kommt dieser Trend zum digitalen Einkaufen? Was macht das Shoppen am PC so beliebt und warum? Experten sprechen teilweise schon von der „kommenden Verdrängung der offline-Filialen“. Ist das realistisch?
Nichts ist einfacher als online einzukaufen. Laut einer Umfrage der AGOF e.V. im letzten Quartal 2010 tun dies bereits 67,8% der Befragten. Ein Klick aufs Produkt, ein weiterer Klick bis in den Warenkorb und schon wird bezahlt – bequem und sicher via Paypal natürlich. Händler im Web versuchen sich heute weniger durch die Produkte als vielmehr durch die Usability im Shop und den individuellen Kundenservice von der zunehmenden Konkurrentenflut abzuheben. Oftmals ist ein Service im Web sogar besser als in den Filialen selbst: ausgetüftelte Logistiksysteme beschaffen ausverkaufte Produkte schneller, als es jede Filiale bewerkstelligen kann und informieren den Käufer währenddessen automatisiert per E-Mail über den Status der Bestellung. Selbst aktiv werden muss der Kunde kaum, denn die Ware wird ihm bis an die Haustür gebracht und bei Nichtgefallen auch kostenlos wieder abgeholt.
Und noch einen Vorteil bietet der Online-Einkauf: Preissuchmaschinen wie guenstiger.de ermitteln das preisgünstigste Angebot in Echtzeit. Die Online-Bewertung anderer Käufer erspart sogar darüber nachzudenken, ob der Händler vertrauenswürdig genug ist. Ist der Kunde dann immer noch unsicher, fragt er seine Freunde auf Facebook per Klick auf den Share-Button. Einfacher geht’s nun wirklich nicht und alles passiert von zuhause aus.
Fakt ist, dass die Gesellschaft die Vorteile des bequemen Online-Shoppens durch alle Altersgruppen hindurch erkannt hat. Auch Ältere Menschen kommen immer mehr auf den Geschmack: kein lästiges Schlangestehen, kein Tütenschleppen.
Dennoch sind einige Vorteile der stationären Händler nicht außen vor zu lassen. Besonders erklärungsbedürftige Produkte, die eine Beratung nötig machen, werden sehr ungern online eingekauft. Das kann ein Auto sein oder aber auch eine Versicherung. Das persönliche Gespräch mit fachkundigem Personal ist an dieser Stelle kaufentscheidend und unabdingbar, weil im Internet nicht die Möglichkeit besteht, den Kunden wirklich individuell zu beraten.
Ein großes Thema in Onlineshops unserer Kunden ist außerdem immer wieder die Inszenierung der Produkte. Der Besucher des Shops soll sich ein möglichst genaues Bild des Produktes machen können, es virtuell drehen, vergrößern und im besten Fall in einer Videosequenz in Aktion präsentiert bekommen. Sind Onlinehändler aber noch so einfallsreich, die Technik hat ihre Grenzen. Ein Kleidungsstoff muss sich auf der Haut gut anfühlen, ein Parfum muss gut riechen und ein Fahrrad will ausprobiert werden. Viele Eigenschaften in ganz speziellen Branchen lassen sich im Web nicht abbilden. In diesem Fall profitiert ganz klar der stationäre Händler und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern.

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